Veränderungen in der (mathematischen) Bildung

by Paul Balzer on 6. Oktober 2011

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Meine Tochter lieferte mir eine nette Anekdote dazu. Ihr macht es Spaß, wie sie es nennt, Papier-Laptops zu basteln. Ich habe sie also eines Tages gefragt, „Weißt du, als ich so alt war wie du, habe ich so etwas nicht gemacht. Warum glaubst du war das so?“ Und nach kurzem, sorgfältigem Überlegen sagte sie: „Kein Papier?“

Paper-Laptop

Dies ist ein Zitat aus dem TED Talk von Conrad Wolfram.

„Es gab eben nur eine Art zu rechnen, und das war von Hand. Aber in den letzten paar Jahrzehnten hat sich das grundlegend geändert.“ Warum also nicht die (mathematische) Ausbildung an den technischen Fortschritt anpassen? Weshalb die Schuljahre mit Kurvendiskussion, Polstellenberechnung und Differentiation, Integration oder ähnlichen Problemen per Hand verbringen, wenn es der Rechner, ja sogar eine Webseite schneller kann?

Conrad Wolfram’s TED Talk: “Stop Teaching Calculating, Start Teaching Math”

Berechtigte Zweifel am bestehenden Lehrplan!

Ich habe in meinem bisherigen Berufsleben, obwohl man den Beruf des Ingenieurs schon mathematisch angehaucht bezeichnen darf, nie wieder eine Kurvendiskussion “per Hand” durchgerechnet, obwohl man damit gefühlte 2 Jahre der Schulzeit beschäftigt war. Die Zeiten ändern sich, das Wissen muss größer werden um einen industriellen Fortschritt aufrecht zu erhalten. Eine Grundlage dazu wäre, die schulische Ausbildung auf den aktuellen Stand der Technik zu heben.

Und da sehe ich 24” LED Bildschirme und keinen Stapel Papier auf den Schreibtischen.

3 Comments

  1. Wenn die qualitative (mathematische) Schulbildung Garant für die Erhaltung (Erreichung) des industriellen Fortschritts ist, müsste dann nicht beilspielsweise Rußland wirtschaftlich viel besser dastehen? Das ist allein nicht ausreichend das sozio-kulturelle und politische Umfeld ist genauso wichtig. Dennoch halte ich umfassende Grundlagenvermittlung in der Schule für essentiell.
    Auch wenn ich mittlerweile (fast) nur noch MATLAB usw. benutze, halte ich meine mathematische Grundbildung für unverzichtbar, um überhaupt eine Ahnung von den Zusammenhängen zu haben. So weiß ich wenigstens halbwegs, was ich mit einer Software tue.

    1. Ich hab in der Schule jahrelang Gleichungssysteme gelöst. Sämtliche Verfahren durch exerziert: Einsetzungs-, Gleichsetzungs-, Substitutions-, …
      In Matlab mach ich heute A\b und musste mir selbst beibringen, weshalb das geht und was es macht. Ich hätte mir gewünscht, dass wir viel mehr das Gesamtverständnis machen, statt einzelne Aufgaben 100x durch rechnen per Hand. Das ‚per Hand‘ hilft m.M.n. nicht beim Verständnis.
      Im Studium haben wir eine Fourier-Analyse ‚per Hand‘ gerechnet. Das hat reichlich 1h gedauert, bis die ersten Faktoren heraus kamen. Danach hatte ich vergessen, was die Aufgabe war. Geschweige denn ein bisschen mit den Parametern spielen und schauen, was passiert. Das geht alles mit dem Rechner, weil er viel schneller ausrechnet und einsetzt usw.
      Wenn ich mir dann das Ergebnis ansehe, Eingangswerte ändere und die Änderung des Ausgangs ansehe, dann verstehe ich.
      So meine Meinung.

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